Die Zeiten, in denen eine Bank allein durch die Stabilität ihres Tresors und den Namen auf der Fassade glänzen konnte, sind endgültig vorbei. Mit dem Antritt von Daniel Sigg an der Spitze der Zürcher Kantonalbank (ZKB) weht ein frischer Wind durch die altehrwürdigen Hallen an der Bahnhofstrasse. Es geht nicht mehr um den nächsten Schalterumbau, sondern um die Frage, ob eine Staatsbank im Zeitalter von Fintechs wie Neon oder Revolut noch die nötige Agilität besitzt, um junge Unternehmer zu begeistern. Der Druck ist enorm, denn der Schweizer Finanzmarkt verlangt nach nahtlosen digitalen Schnittstellen, die weit über das herkömmliche E-Banking hinausgehen.
Wenn Tradition auf Algorithmen trifft
Daniel Sigg setzt auf eine radikale Vereinfachung der internen Prozesse. Laut dem Geschäftsbericht 2023 hat die Bank ihre Investitionen in die IT-Infrastruktur um über 15 Prozent gesteigert. Das ist mehr als nur Kosmetik, es ist ein Überlebenskampf in einem Ökosystem, das von Cloud-native Lösungen dominiert wird. Wer heute als KMU in der Schweiz eine Finanzierung sucht, der wartet nicht mehr drei Wochen auf einen Termin bei einem Bankberater, der erst in der Zentrale nachfragen muss.
Der digitale Wandel in der Schweiz scheitert oft nicht am Geld, sondern an der Angst vor dem Verlust der eigenen Kontrolle über veraltete Datenbanksysteme.
— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit
Startups wie Yokoy zeigen, wie schnell man heute Prozesse automatisieren kann. Die ZKB muss aufpassen, dass sie nicht zur Infrastruktur-Hülle degradiert wird, während die Wertschöpfung in die Hände agiler Softwarehäuser abwandert. Der Anspruch, die digitale Brücke für Schweizer Unternehmen zu schlagen, erfordert mehr als nur ein hübsches App-Interface. Es erfordert eine Neuausrichtung der gesamten Risikokultur.
Risikobereitschaft als neues Credo
Innovation lässt sich nicht verordnen, sie muss in der DNA der Führung verankert sein. Sigg bringt die Erfahrung mit, die es braucht, um zwischen den regulatorischen Anforderungen der FINMA und dem Innovationshunger der Startup-Szene zu navigieren. Doch die Skepsis bleibt berechtigt. Kann ein Unternehmen, dessen Ursprünge im staatlichen Auftrag liegen, wirklich jene disruptive Kraft entwickeln, die den Schweizer Markt gegen internationale Big Tech Player behauptet?
Wahre Innovation geschieht dort, wo man bereit ist, das bisherige Geschäftsmodell im Zweifelsfall auch einmal selbst zu kannibalisieren, statt es nur langsam zu Tode zu verwalten.
— Quelle: Thomas Zurbuchen, ETH Zürich, 2024
Die Schweizer Wirtschaft braucht Partner, die verstehen, dass Kapital heute digital fließen muss und nicht in Papierakten stecken bleiben darf. Dass ein Gigant wie die ZKB nun gezielt in Plattformen wie das Fintech-Cluster im Trust Square investiert, ist ein starkes Signal. Dennoch entscheidet am Ende nicht das Budget, sondern die Geschwindigkeit, mit der neue Features vom Whiteboard in die Hand des Kunden gelangen. Wer in der Zürcher Startup-Szene unterwegs ist, hört oft, dass die Bank zwar das Geld hat, aber bei der Schnelligkeit der Abwicklung noch im letzten Jahrzehnt feststeckt. Die Transformation ist in vollem Gange, doch das Zielbild ist noch kein Selbstläufer.





