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Banken-Digitalisierung: Wenn der Dinosaurier endlich fliegen lernt

Unter der neuen Führung von Stefan Seiler setzt eine Schweizer Traditionsbank auf radikale Automatisierung. Doch die wahre Herausforderung liegt nicht in der Software, sondern in der verkrusteten DNA der Bankenbranche.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·20. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Banken-Digitalisierung: Wenn der Dinosaurier endlich fliegen lernt

Ein moderner Wolkenkratzer mit Glasfassade repräsentiert die architektonische Transformation des Finanzsektors.

Bild: Pexels / Pavlos Lee

Die Schweizer Bankenwelt gleicht oft einem gemütlichen Alpen-Cello: wunderschön anzuhören, aber viel zu langsam für den modernen Takt der Startup-Ökonomie. Wenn jetzt Stefan Seiler, der neue Wind in den Chefetagen einer der hiesigen Institute, das Steuer übernimmt, dann weht frischer Sauerstoff durch die alten Tresorräume. Das Ziel ist klar: Weg von manuellen Prozessen, hin zur hochskalierbaren Plattformökonomie. Es ist der Versuch, den Banker durch den Algorithmus zu ersetzen, ohne das Vertrauen der konservativen Stammkundschaft zu verspielen.

Der Silicon-Valley-Komplex im Zürcher Paradeplatz

Innovation lässt sich in der Schweiz leider oft nur als teures IT-Projekt verkaufen. Während Fintech-Gründer wie jene von Neon oder Zak mit einer Handvoll Entwicklern ganze Kernbankensysteme in die Cloud heben, kämpfen die etablierten Institute mit ihrer technischen Altlast. Die neue Strategie unter Seiler konzentriert sich auf die sogenannte Hyper-Automatisierung. Es geht darum, Kreditprüfungen von Tagen auf Sekunden zu verkürzen.

Ein Bankinstitut ohne eine radikale API-First-Strategie ist in fünf Jahren nur noch ein Museumsstück mit hoher Kostenquote.

— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit

Die Geschwindigkeit, mit der diese Transformation vorangetrieben wird, erinnert an die Agilität von Startups, die in der Enge der Seefelder Büros um Marktanteile ringen. Doch die Umsetzung zeigt: Wer komplexe Legacy-Software mit modernen Schnittstellen übertüncht, baut noch lange kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell. Es ist ein Balanceakt zwischen regulatorischer Strenge der FINMA und der nötigen radikalen Offenheit für Open Banking Standards.

Warum Kultur mehr kostet als Code

Technologie allein ist nie das Problem, sondern immer der Mensch, der sie bedient oder eben blockiert. In Gesprächen mit Investoren wie Beat Schillig von IFJ wird deutlich, dass Schweizer Finanzhäuser oft an ihrer eigenen Hierarchie ersticken. Seiler setzt daher nicht nur auf neue Software, sondern auf eine drastische Verschlankung der Entscheidungswege. Es ist ein mutiger Schritt, um von der reinen Kontoführungs-Gebühr wegzukommen und sich zum Technologie-Partner für KMUs zu entwickeln.

Wahre digitale Transformation beginnt im Kopf des Vorstands, nicht in der IT-Abteilung.

— Quelle: Thomas Matter, Nationalrat SVP

Ob dieser Wandel ausreicht, um gegen Neobanken und globale Tech-Giganten zu bestehen, bleibt offen. Die Schweiz hat den Vorteil der Stabilität, doch Stabilität ist im digitalen Zeitalter oft ein Synonym für Stillstand. Wenn die Bank unter der neuen Führung den Mut findet, ihre Kernprozesse wirklich von Grund auf neu zu denken, statt sie nur zu digitalisieren, dann entsteht ein echtes Schweizer Tech-Powerhouse. Wenn nicht, bleibt es bei einem teuren Update für ein veraltetes System.

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

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