In Vietnam durfte man neulich zusehen, wie Werbeplakate einfach mit der Sprühdose auf die Hauswand geklatscht wurden. Pragmatisch, keine Frage, aber wehe, der Regen kommt. In der Schweiz, wo der Baudienstag pünktlich um sieben Uhr startet, reicht das nicht. Hier braucht es Substanz, wie sie die Team Visual AG bei der digitalen Umsetzung für die SBB bewiesen hat. Es geht nicht um hübsche Bildchen, sondern darum, ob ein komplexes System auch dann verständlich bleibt, wenn der Pendler im strömenden Regen am Bahnhof steht.
Struktur schlägt Dekoration
Bei der Zusammenarbeit mit den Stadtwerken liess sich gut beobachten, dass visuelle Ordnung direkt auf die betriebliche Effizienz einzahlt. Ein Design, das an der SBB-Anzeigetafel funktioniert, muss auch auf dem kleinsten Display in der App sitzen, sonst gibt es Ärger. Laut der Statistik der Werbewoche ist die visuelle Informationsdichte in der Schweiz eine der höchsten weltweit, was den Druck auf Agenturen wie jene von CEO Markus Pfister massiv erhöht. Wer hier nicht liefert, geht unter, bevor die erste Tasse Kaffee kalt ist.
Design ist kein Luxus, sondern das Werkzeug, um die Komplexität der Schweizer Infrastruktur überhaupt noch bedienbar zu machen.
— Markus Pfister, CEO Team Visual AG
Die Arbeit an digitalen Schnittstellen erfordert eine Präzision, die fast schon an schweizerische Uhrmacherkunst erinnert. Wo andere Firmen sich in Kreativ-Workshops verlieren, baut dieses Team am Standort Zürich Lösungen, die am Dienstag den Stresstest bestehen. Die Zusammenarbeit mit Partnern wie onesocial.ch bei digitalen Kampagnen zeigt, dass die Integration in bestehende IT-Architekturen wichtiger ist als jede künstlerische Eitelkeit.
Funktioniert das auch im Regen
Man muss sich die Frage stellen: Wenn das System bei einem Systemausfall oder einem verspäteten Intercity komplett versagt, hilft dann noch das schönste Branding? Die Antwort liefert der Blick in die Referenzliste der Firma. Projekte, die auf nackte Fakten und schnelle Lesbarkeit setzen, haben eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung als alles, was nur nach Marketing-Sprech riecht. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Ansatz Schule macht oder ob die Konkurrenz weiterhin nur mit heisser Luft operiert.





